OCT 15, 2026·6 MIN READ

AWS Kosten senken: Leitfaden für Unternehmen

AWS Kosten senken: Leitfaden für Unternehmen

1. KOSTEN ZUORDNEN

Das Well-Architected Framework von AWS nennt fünf Gestaltungsprinzipien für Kostenoptimierung, darunter Cloud Financial Management aufzubauen und Ausgaben zu analysieren und zuzuordnen [W1]. Die Zuordnung ist die Grundlage. Erst wenn Kosten einzelnen Arbeitslasten und Verantwortlichen zugeordnet sind, haben diese einen Grund und die Daten, um zu optimieren [W1].

Praktisch heißt das: einheitliche Tags und ein Verantwortlicher für jedes Konto und jede Arbeitslast, bevor die erste Optimierungsrunde startet. Wie Organisationen von dieser Transparenz zu kontinuierlicher Optimierung kommen, beschreibt unser Beitrag FinOps Maturity (englisch).

2. LEERLAUF BEENDEN

AWS veranschaulicht das Prinzip der bedarfsgerechten Nutzung mit einem Beispiel: Entwicklungs- und Testumgebungen werden typischerweise etwa acht Stunden an Werktagen genutzt. Wer sie außerhalb dieser Zeiten stoppt, kann ihre Kosten um rund 75 Prozent senken, 40 statt 168 Stunden pro Woche [W1]. Das ist ein Rechenbeispiel von AWS, kein Versprechen, zeigt aber, warum Zeitpläne für Nicht-Produktionsumgebungen fast immer der erste schnelle Erfolg sind.

Hinzu kommen Ressourcen, die gar nicht mehr genutzt werden. AWS Compute Optimizer erkennt neben Rightsizing-Potenzial auch ungenutzte Ressourcen [W4].

3. RIGHTSIZING MIT COMPUTE OPTIMIZER

Compute Optimizer analysiert Konfiguration und Auslastung Ihrer Ressourcen und meldet, ob sie optimal dimensioniert sind [W4]. Unterstützt werden unter anderem EC2-Instanzen und Auto Scaling Groups, EBS-Volumes, Lambda-Funktionen, ECS-Dienste auf Fargate, Aurora- und RDS-Datenbanken, NAT Gateways und DynamoDB [W4].

Zwei Details sind für Unternehmen entscheidend. Standardmäßig wertet Compute Optimizer die CloudWatch-Metriken der letzten 14 Tage aus, die kostenpflichtigen Enhanced Infrastructure Metrics verlängern den Zeitraum auf 93 Tage [W4]. Monats- und Quartalsspitzen sieht der Standardzeitraum nicht. Außerdem lassen sich Empfehlungen kontenübergreifend anzeigen, wenn die Funktion über das Verwaltungskonto der Organisation aktiviert wird [W4]. So sollten zentrale Plattform-Teams arbeiten.

4. SAVINGS PLANS ERST NACH DEM RIGHTSIZING

Savings Plans gewähren niedrigere Preise als On-Demand im Gegenzug für eine Verpflichtung zu einem festen stündlichen Compute-Betrag über ein oder drei Jahre. AWS nennt Einsparungen von bis zu 72 Prozent [W2]. Compute Savings Plans sind die flexibelste Variante: Der Rabatt gilt für EC2 unabhängig von Instanzfamilie, Größe, Betriebssystem, Tenancy und Region sowie für Fargate und Lambda. Bezahlt wird vollständig im Voraus, teilweise oder ohne Vorauszahlung, und AWS Cost Explorer liefert Empfehlungen für die Höhe der Verpflichtung [W2].

Das Risiko ist die Überdeckung. Ein Savings Plan ist ein Zahlungsversprechen und sollte nur die stabile Grundlast abdecken, die nach den Schritten 2 und 3 übrig bleibt. Die Portfolio-Logik dahinter behandelt unser Beitrag Commitment Strategy: On-Demand, Reserved, Spot (englisch).

5. SPOT INSTANCES FÜR UNTERBRECHBARE ARBEIT

EC2 Spot Instances nutzen freie EC2-Kapazität. AWS nennt Rabatte von bis zu 90 Prozent gegenüber On-Demand und Einsatzfelder wie Big Data, Container, CI/CD, High Performance Computing und Testumgebungen [W3].

Der Preis ist die Unterbrechbarkeit. EC2 kann eine Spot-Instanz zurückholen, wenn die Kapazität gebraucht wird, außerdem bei Wartung, wenn der Spot-Preis Ihren Höchstpreis übersteigt oder wenn Gruppenbedingungen nicht mehr erfüllt sind. Die Instanz wird dann beendet, gestoppt oder in den Ruhezustand versetzt, je nach gewähltem Verhalten. AWS weist darauf hin, dass ein festgelegter Höchstpreis zu häufigeren Unterbrechungen führt [W5].

6. SPEICHER AUTOMATISCH STAFFELN

S3 Intelligent-Tiering verschiebt Objekte automatisch zwischen Zugriffsstufen: nach 30 Tagen ohne Zugriff in die Infrequent-Access-Stufe, nach 90 Tagen in Archive Instant Access, ohne Leistungseinbußen. Mit aktivierten Archivoptionen sind zusätzlich Archive Access nach mindestens 90 Tagen und Deep Archive Access nach mindestens 180 Tagen möglich. Dafür fällt eine geringe monatliche Überwachungs- und Automatisierungsgebühr pro Objekt an [W6].

Intelligent-Tiering eignet sich deshalb für Buckets mit unbekanntem oder wechselndem Zugriffsmuster. Für Daten mit klarem Lebenszyklus sind explizite Lifecycle-Regeln oft günstiger.

7. DATENTRANSFER VERSTEHEN

Datentransfer ist der am wenigsten intuitive Teil der AWS-Rechnung. Innerhalb einer Region wird Verkehr zwischen Availability Zones für jede gemessene Ressource sowohl eingehend als auch ausgehend berechnet. Zwischen Regionen bestimmt der ausgehende Verkehr aus der Quellregion die Kosten, eingehender Verkehr in der Zielregion wird nicht berechnet [W7]. Der Cost and Usage Report weist jeden Fall mit einem eigenen Usage Type aus [W7]. Der erste Schritt ist also, die dominanten Datenflüsse zu identifizieren.

8. GÜNSTIGER MODERNISIEREN

Manche Einsparungen erfordern keinen Architekturumbau. Laut AWS kosten EBS-Volumes vom Typ gp3 pro GiB 20 Prozent weniger als gp2-Volumes [W10]. Die Umstellung allgemeiner Volumes ist deshalb meist eine risikoarme Aufgabe. Zudem positioniert AWS seine Graviton-Prozessoren als Prozessorfamilie für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei EC2 und bietet ein Graviton Savings Dashboard, um die Wirkung eines Wechsels abzuschätzen [W11]. Graviton setzt kompatible Software-Builds voraus und ist deshalb eine Entscheidung pro Arbeitslast.

Ein unauffälliger Kostenblock ist das NAT Gateway. AWS berechnet jede Stunde, in der ein NAT Gateway bereitsteht, und jedes Gigabyte, das es verarbeitet. Die dokumentierten Gegenmaßnahmen: Ressourcen in derselben Availability Zone wie das NAT Gateway betreiben oder ein NAT Gateway pro Zone anlegen, und VPC-Endpunkte nutzen, wenn der Großteil des Verkehrs zu AWS-Diensten geht [W12].

Für Daten mit bekanntem Lebenszyklus sind S3-Lifecycle-Regeln die explizite Alternative zu Intelligent-Tiering: Übergangsaktionen verschieben Objekte nach einer festgelegten Zeit in günstigere Speicherklassen, Ablaufaktionen löschen Objekte nach dem Ende einer Aufbewahrungsfrist [W13].

9. LEITPLANKEN, DAMIT EINSPARUNGEN HALTEN

Jede Optimierung verpufft ohne Leitplanken. AWS Budgets überwacht Kosten und Nutzung gegen Zielwerte, warnt bei tatsächlichen und prognostizierten Ausgaben, überwacht die Abdeckung durch Savings Plans und Reserved Instances und kann bei Erreichen einer Schwelle Aktionen auslösen, etwa eine restriktive IAM-Richtlinie anwenden [W8]. AWS Cost Anomaly Detection erkennt ungewöhnliche Ausgaben mit Machine-Learning-Modellen. Die Prüfung läuft etwa dreimal täglich auf Nettokosten, und weil sie auf Cost-Explorer-Daten basiert, können Warnungen bis zu 24 Stunden verzögert sein [W9].

Diese Verzögerung ist wichtig: Die Anomalieerkennung findet eine außer Kontrolle geratene Ressource innerhalb eines Tages, nicht innerhalb von Minuten. Sie ergänzt Budgets und Kontingente, ersetzt sie aber nicht.

EIN 30-TAGE-PLAN

WocheAufgabeQuelle
1Tags und Verantwortliche festlegen, größte Kostenstellen identifizieren[W1]
2Zeitpläne für Dev/Test, ungenutzte Ressourcen stoppen[W1][W4]
3Compute-Optimizer-Empfehlungen prüfen und umsetzen, Datentransfer analysieren[W4][W7]
4Grundlast bestimmen, Savings Plans dimensionieren, Spot-Kandidaten und S3-Tiering festlegen, gp3-Umstellung, Budgets und Anomalieerkennung aktivieren[W2][W3][W6][W8][W9][W10]

HÄUFIGE FEHLER

Savings Plans vor dem Rightsizing kaufen. Die Verpflichtung überdauert die überdimensionierten Instanzen, für die sie berechnet wurde [W2][W4].

14 Tage für saisonale Systeme. Der Standardzeitraum sieht keine Monats- oder Quartalsspitzen [W4].

Niedrigen Spot-Höchstpreis setzen. Ein Höchstpreis erhöht die Zahl der Unterbrechungen [W5].

Datentransfer ignorieren. Verkehr zwischen Availability Zones wird ein- und ausgehend berechnet und summiert sich bei gesprächigen Architekturen schneller als erwartet [W7].

GRENZEN

Dieser Leitfaden beruht auf der AWS-Dokumentation, Stand 15. Oktober 2026. Angaben wie "bis zu 72 Prozent" und "bis zu 90 Prozent" sind Aussagen von AWS und Obergrenzen, keine Erwartungswerte. Tatsächliche Einsparungen hängen von Architektur, Nutzung und Vertrag ab und lassen sich nur aus den eigenen Abrechnungsdaten ermitteln.

FAZIT

AWS Kosten senken ist vor allem eine Frage der Reihenfolge: zuordnen, Leerlauf beenden, Rightsizing, Verpflichtungen und Staffelung, und die Erfolge anschließend mit Leitplanken sichern. Die nativen AWS-Werkzeuge decken AWS gut ab, sehen aber nur AWS.

Atomity betrachtet alle Anbieter gemeinsam. Wir erkennen ungenutzte und überdimensionierte Ressourcen, vergleichen, ob eine Arbeitslast auf Azure, Google Cloud oder einer europäischen Cloud wie IONOS oder STACKIT günstiger liefe, und setzen Korrekturen über Pull Requests, Jira-Tickets und Slack um, ohne dass Ihr Team die Kontrolle abgibt. Ihr Einsparpotenzial zeigt die kostenlose Cloud-Kostenanalyse.

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